Eine schwere Krankheit war der Auslöser für Henri Matisse seine Anstellung zu kündigen und sich ganz der Malerei zu widmen. Er besuchte ab 1892 die École des Beaux-Artsin Paris. Eine Skandalausstellung im Jahre 1905 brachte den Durchbruch und gleichzeitig eine Bezeichnung als Angehöriger der »Fauves«. Matisse‘ späte Arbeiten sind ein Bruch mit der Malerei. Ab den 1950er Jahren fängt der Künstler an mit »einer Schere zu zeichnen«. Noch einmal fand er die Kraft eine neue Formensprache zu entwickeln. Er ließ große Papierbahnen mit leuchtenden Gouache-Farben bepinseln. Aus diesen Bahnen schnitt er, in einem nächsten Arbeitsschritt mit der Schere Formen aus. Diese wurden nach seinen Anweisungen auf weißen Papierbögen zuerst mit feinen Nadeln befestigt, denn nun begann der zweite wichtige Teil der Arbeit. Die Zusammenstellung der einzelnen Teile. Bei einem der Hauptwerke der großformatigen Scherenschnitte »Acanthes« findet man die meisten Einstiche bei der blauen Form in der rechten unteren Ecke, von denen aus Matisse die Komposition entwickelte. Noch heute sind am Original und an der hervorragenden Reproduktion die Einstichlöcher zu sehen. Um den Scherenschnitt zu stabilisieren, wurde er abschließend auf eine Leinwand montiert, wobei die Erhabenheit der Papierformen verloren ging. Der brillante Druck gibt die fröhlich leuchtenden Farben des Originals wieder. Die hohe Papierqualität dieser Meisterreplik erlaubt Feinheiten, wie die Kohlevorzeichnungen oder die Leinwandstruktur mit ihrer unregelmäßigen Grundierung zu vermitteln.