Gerhard Richter fordert bei diesem Bild unsere Sehgewohnheiten heraus. Alles an diesem Meisterwerk ist seltsam verrückt. Auf den ersten Blick sieht man ein steiles Flussufer, darüber einen schwarzen Himmel, belebt von einem Schwarm weißer Vögel. Die Lichtsituation ist unnatürlich wie bei einer Sonnenfinsternis und gibt einen Hinweis auf die Vorlage: Auf den zweiten Blick erkennen wir die Qualitäten eines S/W-Negativs. Doch was wir erkennen, ist bei genauer Betrachtung gar nicht zu sehen. Anstelle einer Fotovorlage blicken wir auf ein Ölgemälde. Die scheinbar klassisch gegliederte Landschaft mit tiefem Horizont verschwimmt in eine hellere und dunklere graue Zone aus verwischten abstrakten Formen. Die angeblichen Vögel gibt es gar nicht. Es handelt sich nur um ausgelassene Formen. Flächen, die der Maler ausgespart hat, sodass die Leinwand mit Resten der Unterzeichnung zu sehen ist. Alle Motive lösen sich in abstrakte Formen auf. Des anfänglichen Eindruckes eines einmal erkannten Landschaftsbildes kann man sich jedoch nicht entziehen. »Alles, was ist, scheint und ist für uns sichtbar, weil wir den Schein, den es reflektiert, wahrnehmen, nichts anderes ist sichtbar«, bemerkte Richter. Was man aber verändern und dadurch sichtbar machen kann, ist den Schein selbst, den uns Richter hier als intellektuelles Spiel von hoher ästhetischer Qualität vor Augen führt. Diesem Hauptwerk Gerhard Richters, das in der Sammlung Würth hängt, angemessen legt der DACO Verlag einen limitierten und nummerierten Kunstdruck auf. Die außerordentliche Brillanz dieses Kunstdrucks vermittelt die malerische Qualität der Vorlage. Einzelne Pinselstriche bleiben gut erkennbar, die fein abgestuften Grautöne des Originals, entscheidend für die ästhetische Wirkung, bleiben durch das aufwendige Druckverfahren erlebbar.