Dieses Meisterwerk gehört zu einer Serie aus vier Gemälden und zwei Aquarellen, für die Paul Cézanne das Modell Michelangelo di Rosa engagierte. In einer Zimmerecke, den grünen schweren Vorhang im Rücken, sitzt ein junger Mann mit roter Weste. Die nachlässige Haltung, der mit der Hand aufgestützte Kopf und der nachdenkliche Gesichtsausdruck spielen auf das Motiv der Melancholie an, wie es durch Dürers Meisterstich vertraut ist. Dieser Zustand der Nachdenklichkeit gehört zum Prozess der genialen Kreativität. Das vor ihm liegende leere weiße Blatt muss erst noch beschrieben werden. Das Gemälde von Cézanne wurde 1895 von dem berühmten Galeristen Ambroise Vollard aus Paris erworben und gehört seit 1960 zur E.G. Bührle Collection in Zürich. Drei Männer stürmen am 10. Februar 2008 mit vorgehaltenen Waffen die Züricher Sammlung. Unter den vier gestohlenen Werken befindet sich auch »der Knabe mit roter Weste« von Paul Cézanne. Der spektakuläre Coup ist der größte Kunstraub Europas: allein das Gemälde von Cézanne ist 100 Millionen Euro wert. Vier Jahre lang bleibt das Bild verschwunden, 2012 spüren es Ermittler in Belgrad wieder auf. Den Zürcher Kriminalbehörden gelang es, einen verdeckten Ermittler in die serbische Mafia-Bande einzuschleusen. Sowohl das Bild konnte zurückgeholt werden als auch die Täter überführt.